Prozesse

Standard Operating Procedures: So erstellen Sie wirksame SOPs

SOPs dokumentieren, wie Aufgaben erledigt werden. Lernen Sie, wie Sie SOPs erstellen, die tatsächlich genutzt werden.

5. Januar 2026 · 8 Min. Lesezeit

Was sind Standard Operating Procedures?

SOPs sind dokumentierte Schritt-für-Schritt-Anleitungen für wiederkehrende Aufgaben. Sie beschreiben, wie etwas getan wird – nicht nur was.

Ziel: Jeder kann die Aufgabe ausführen, auch ohne den Experten zu fragen.

Warum SOPs?

Konsistenz

Dieselbe Aufgabe wird immer gleich erledigt – unabhängig davon, wer sie macht.

Qualität

Fehler werden reduziert, weil die beste Vorgehensweise dokumentiert ist.

Einarbeitung

Neue Mitarbeiter können schneller produktiv werden.

Skalierung

Wissen ist nicht in Köpfen, sondern im System.

Delegation

Aufgaben können abgegeben werden, ohne dass die Qualität leidet.

Wann brauchen Sie eine SOP?

Kriterien für SOP-würdige Prozesse

  • Wiederkehrend (mindestens monatlich)
  • Mehrere Personen führen die Aufgabe aus
  • Fehler haben spürbare Konsequenzen
  • Einarbeitung ist aufwändig

Beispiele

  • Kundenonboarding
  • Rechnungserstellung
  • Angebotserstellung
  • Social-Media-Posting
  • Serverbackup
  • Qualitätsprüfung
  • Bestellabwicklung

Die SOP-Struktur

1. Kopfbereich

  • **Titel:** Klare Bezeichnung der Aufgabe
  • **Version:** Versionsnummer und Datum
  • **Verantwortlich:** Wer pflegt diese SOP?
  • **Gültig für:** Welche Rollen/Teams?

2. Zweck

Warum existiert diese SOP? Was ist das Ziel?

(1-2 Sätze)

3. Geltungsbereich

Wann wird diese SOP angewendet?

Welche Ausnahmen gibt es?

4. Voraussetzungen

Was braucht man, bevor man startet?

  • Zugänge/Berechtigungen
  • Tools/Software
  • Informationen/Inputs
  • Vorhergehende Schritte

5. Ablauf

Nummerierte Schritte – das Herzstück der SOP.

Guter Schritt:

> 3. Öffne das CRM und erstelle einen neuen Kontakt

> - Klicke auf "Neuer Kontakt" (oben rechts)

> - Fülle die Pflichtfelder aus: Name, E-Mail, Firma

> - Wähle als Quelle "Website-Formular"

> - Speichere den Kontakt

Schlechter Schritt:

> 3. Kundendaten ins CRM eintragen

6. Ergebnis

Was ist das erwartete Ergebnis nach Abschluss?

Wie prüft man, ob es korrekt ist?

7. Anhang

  • Screenshots
  • Vorlagen
  • Checklisten
  • Links zu weiterführenden Dokumenten

SOPs schreiben: Best Practices

Klarheit

  • Kurze Sätze
  • Aktive Sprache ("Klicke" statt "Es wird geklickt")
  • Fachbegriffe erklären oder vermeiden
  • Eine Aktion pro Schritt

Vollständigkeit

  • Alle Schritte dokumentieren, auch "offensichtliche"
  • Ausnahmen und Sonderfälle berücksichtigen
  • "Wenn ... dann"-Verzweigungen einbauen

Visuelle Unterstützung

  • Screenshots mit Markierungen
  • Kurze Videos für komplexe Abläufe
  • Flussdiagramme für Entscheidungen

Testbarkeit

  • SOP von jemandem testen lassen, der den Prozess nicht kennt
  • Feedback einarbeiten
  • Regelmäßig aktualisieren

SOP-Formate

Textbasiert (Word, Google Docs)

Vorteile: Einfach, bekannt, überall nutzbar

Nachteile: Kann unübersichtlich werden

Wissensdatenbank (Notion, Confluence)

Vorteile: Verlinkt, durchsuchbar, versioniert

Nachteile: Tool-Abhängigkeit

Video

Vorteile: Visuell, gut für komplexe Abläufe

Nachteile: Schwer aktualisierbar, nicht überfliegbar

Checkliste

Vorteile: Knapp, direkt nutzbar

Nachteile: Wenig Erklärung, für Bekanntes

Kombination

Text-SOP + Video + Checkliste = ideal

SOP-Beispiel: E-Mail-Anfrage bearbeiten

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SOP: Bearbeitung eingehender E-Mail-Anfragen

Version: 1.2 | Datum: 15.01.2026

Verantwortlich: Sarah Müller (Teamlead Support)

Gültig für: Support-Team

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Zweck:

Sicherstellen, dass alle E-Mail-Anfragen zeitnah, einheitlich und vollständig bearbeitet werden.

Voraussetzungen:

  • Zugang zum E-Mail-Postfach support@firma.de
  • Zugang zum CRM
  • Zugang zur Wissensdatenbank

Ablauf:

  1. **E-Mail öffnen und lesen**
  • Inhalt vollständig erfassen
  • Absender identifizieren
  1. **Absender im CRM suchen**
  • Suche nach E-Mail-Adresse
  • Wenn nicht gefunden: Neuen Kontakt anlegen (siehe SOP "Kontaktanlage")
  1. **Anfrage kategorisieren**
  • Support-Anfrage → weiter bei Schritt 4
  • Verkaufsanfrage → weiterleiten an vertrieb@firma.de
  • Spam → löschen
  1. **Wissensdatenbank prüfen**
  • Gibt es einen Artikel zum Thema?
  • Wenn ja: Artikel-Link in Antwort einfügen
  1. **Antwort formulieren**
  • Vorlage aus Textbausteinen verwenden
  • Persönliche Anrede
  • Auf alle Fragen eingehen
  • Nächste Schritte klar benennen
  1. **E-Mail im CRM dokumentieren**
  • Aktivität am Kontakt anlegen
  • Kategorie: "Support-Anfrage"
  1. **Antwort senden**
  • Rechtschreibung prüfen
  • CC falls nötig

Ergebnis:

  • Kunde hat Antwort erhalten
  • Vorgang ist im CRM dokumentiert
  • Antwortzeit < 24h

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SOPs am Leben halten

Verantwortlichkeit

Jede SOP hat einen Owner, der für Aktualität verantwortlich ist.

Review-Zyklus

Quartalsweise oder bei Prozessänderungen.

Feedback-Kanal

Mitarbeiter können Verbesserungen vorschlagen.

Änderungsprotokoll

Was wurde wann geändert?

Häufige Fehler

Fehler 1: Zu viel Detail

→ Fokus auf kritische Schritte, nicht jede Mausbewegung.

Fehler 2: Zu wenig Detail

→ Test: Kann ein Neuling das ausführen?

Fehler 3: Einmal schreiben, nie aktualisieren

→ Review-Termine im Kalender.

Fehler 4: SOPs, die niemand nutzt

→ Einfacher Zugang, ins Tagesgeschäft integrieren.

Checkliste: SOP erstellen

  • [ ] Prozess identifizieren, der SOP braucht
  • [ ] Aktuellen Ablauf mit dem Team durchsprechen
  • [ ] Schritte detailliert dokumentieren
  • [ ] Screenshots/Visuals erstellen
  • [ ] Von Nicht-Experten testen lassen
  • [ ] Feedback einarbeiten
  • [ ] In Wissensdatenbank ablegen
  • [ ] Team über neue SOP informieren
  • [ ] Review-Termin setzen (in 3-6 Monaten)

Fazit

SOPs sind kein bürokratischer Overhead – sie sind die Grundlage für skalierbare Qualität. Wenn Wissen im System statt in Köpfen liegt, wird Ihr Unternehmen unabhängig von Einzelpersonen.

Starten Sie mit 3-5 SOPs für Ihre kritischsten Prozesse. Perfekt muss nicht sein – nutzbar schon. Die Verfeinerung kommt mit der Anwendung.

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