Prozesse

PDCA-Zyklus: Der Motor für kontinuierliche Verbesserung

Der PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act) ist das Fundament systematischer Prozessverbesserung. So setzen Sie ihn im Unternehmen ein.

19. Januar 2026 · 7 Min. Lesezeit

Was ist der PDCA-Zyklus?

Der PDCA-Zyklus – auch Deming-Kreis genannt – ist ein vierstufiges Modell für kontinuierliche Verbesserung. Die Idee: Statt große Veränderungen in einem Wurf umzusetzen, verbessern Sie in kleinen, kontrollierten Schritten.

Plan → Do → Check → Act → Und wieder von vorn.

Das klingt simpel. Die Kraft liegt in der konsequenten Anwendung.

Die vier Phasen im Detail

Phase 1: Plan (Planen)

In dieser Phase identifizieren Sie das Problem und entwickeln einen Lösungsansatz.

Fragen:

  • Was ist das konkrete Problem?
  • Was sind die Ursachen?
  • Welche Lösung testen wir?
  • Wie messen wir den Erfolg?

Output:

  • Problembeschreibung
  • Hypothese zur Ursache
  • Geplante Maßnahme
  • Erfolgskriterien

Phase 2: Do (Umsetzen)

Hier setzen Sie den Plan um – aber im kleinen Rahmen. Es geht um einen Test, nicht um einen Rollout.

Wichtig:

  • Begrenzte Testgruppe oder Zeitraum
  • Dokumentation aller Beobachtungen
  • Keine Änderungen während des Tests

Phase 3: Check (Überprüfen)

Analyse der Ergebnisse. Hat die Maßnahme gewirkt?

Fragen:

  • Wurden die Erfolgskriterien erreicht?
  • Welche unerwarteten Effekte gab es?
  • Was haben wir gelernt?

Methoden:

  • Vorher-Nachher-Vergleich
  • Statistische Auswertung
  • Feedback der Beteiligten

Phase 4: Act (Handeln)

Basierend auf den Ergebnissen entscheiden Sie:

Option A: Standardisieren

Die Maßnahme hat funktioniert → Rollout auf alle Bereiche, Dokumentation als neuer Standard.

Option B: Anpassen

Teilweise erfolgreich → Zurück zu Plan mit angepasster Hypothese.

Option C: Verwerfen

Nicht erfolgreich → Andere Lösung entwickeln.

PDCA in der Praxis: Ein Beispiel

Situation: Die Bearbeitung von Kundenanfragen dauert durchschnittlich 48 Stunden. Ziel: unter 24 Stunden.

Plan

  • Problem: Lange Antwortzeiten
  • Vermutete Ursache: Anfragen werden nicht priorisiert, landen alle im selben Postfach
  • Maßnahme: Kategorisierung nach Dringlichkeit, separate Bearbeitung
  • Erfolgskriterium: Antwortzeit < 24h bei 90% der Anfragen

Do

  • Testphase: 2 Wochen
  • Testgruppe: 1 Support-Mitarbeiter
  • Drei Kategorien: Urgent (4h), Normal (24h), Low (72h)

Check

  • Ergebnis: 87% unter 24h (vorher 45%)
  • Beobachtung: Kategorisierung dauert 2 Minuten pro Anfrage
  • Feedback: Mitarbeiter findet System hilfreich

Act

  • Entscheidung: Rollout auf alle Support-Mitarbeiter
  • Anpassung: Automatische Vorkategorisierung durch Keywords
  • Neuer Standard dokumentieren
  • Nächster PDCA: Automatisierung weiter ausbauen

Häufige Fehler beim PDCA

Fehler 1: Plan überspringen

"Wir wissen doch, was das Problem ist." – Oft ist die gefühlte Ursache nicht die echte Ursache. Investieren Sie Zeit in die Analyse.

Fehler 2: Zu große Do-Phase

Ein PDCA-Zyklus sollte Wochen dauern, nicht Monate. Kleine Experimente, schnelle Learnings.

Fehler 3: Check vergessen

Die Maßnahme ist umgesetzt, weiter zum nächsten Thema? Ohne Check wissen Sie nicht, ob es funktioniert hat.

Fehler 4: Act als optional betrachten

Wenn Check positiv ist: standardisieren. Wenn negativ: anpassen. Beide Ergebnisse erfordern Handlung.

PDCA vs. andere Methoden

PDCA vs. DMAIC (Six Sigma)

DMAIC ist detaillierter (Define-Measure-Analyze-Improve-Control) und eignet sich für komplexe, datengetriebene Projekte. PDCA ist schlanker und für schnelle Iterationen.

PDCA vs. Agile

Agile (Scrum, Kanban) und PDCA teilen die Idee der iterativen Verbesserung. PDCA fokussiert auf Prozesse, Agile auf Produktentwicklung.

PDCA vs. Kaizen

Kaizen ist die Philosophie, PDCA das Werkzeug. Kaizen sagt "verbessere ständig", PDCA sagt "so machst du es".

PDCA im Unternehmen verankern

Wöchentliche Verbesserungsrunde

30 Minuten, jede Woche, gleiches Team.

  • Was lief diese Woche nicht gut?
  • Welchen PDCA starten wir?
  • Status laufender PDCAs?

PDCA-Board

Visualisierung aller laufenden Verbesserungszyklen.

Spalten: Plan | Do | Check | Act | Done

Dokumentation

Jeder abgeschlossene PDCA wird dokumentiert:

  • Problem
  • Maßnahme
  • Ergebnis
  • Neuer Standard (falls erfolgreich)

Checkliste: PDCA starten

  • [ ] Konkretes Problem identifizieren
  • [ ] Ursache analysieren (nicht raten)
  • [ ] Messbare Erfolgskriterien definieren
  • [ ] Kleine Testgruppe/Zeitraum festlegen
  • [ ] Test durchführen und dokumentieren
  • [ ] Ergebnisse auswerten
  • [ ] Entscheidung treffen: Standardisieren, Anpassen oder Verwerfen
  • [ ] Lernings dokumentieren
  • [ ] Nächsten PDCA planen

Fazit

Der PDCA-Zyklus ist kein theoretisches Modell – er ist ein praktisches Werkzeug für Unternehmen, die systematisch besser werden wollen.

Der Schlüssel liegt nicht in der Perfektion einzelner Zyklen, sondern in der Konsequenz. Ein Unternehmen, das jede Woche einen PDCA abschließt, verbessert sich in einem Jahr 52 Mal. Das ist der Unterschied.

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