Dokumentenmanagement: So organisieren Sie Dokumente zentral und effizient
Wenn niemand weiß, wo die aktuelle Version liegt, kostet das Zeit und Nerven. Lernen Sie, wie Sie Dokumentenmanagement professionell aufsetzen.
Das Dokumenten-Chaos
"Wo ist die aktuelle Version?"
"Wer hat das Dokument zuletzt bearbeitet?"
"Ist das noch gültig?"
"Das war doch in einer E-Mail..."
Diese Fragen kosten Zeit. Studien zeigen: Mitarbeiter verbringen 20-30% ihrer Arbeitszeit mit Suchen.
Was ist Dokumentenmanagement?
Dokumentenmanagement (DMS) umfasst:
- **Erstellung:** Vorlagen, Standards
- **Ablage:** Struktur, Ordnersysteme
- **Versionierung:** Wer hat wann was geändert?
- **Suche:** Schnell finden, was man braucht
- **Archivierung:** Aufbewahrung, Löschung
- **Zugriff:** Wer darf was sehen/bearbeiten?
Die Ordnerstruktur
Prinzip 1: Maximal 3 Ebenen
Je tiefer die Struktur, desto schwieriger die Navigation.
Gut: /Kunden/Musterfirma/Angebote
Schlecht: /Vertrieb/DACH/Deutschland/Bayern/Großkunden/Musterfirma/2025/Angebote
Prinzip 2: Einheitliche Benennung
Konventionen für Ordner- und Dateinamen.
Dateinamen-Konvention:
[Datum]_[Typ]_[Kunde/Projekt]_[Version]
Beispiel: 2026-01-15_Angebot_Musterfirma_v2.pdf
Prinzip 3: Keine persönlichen Ordner für Unternehmensdaten
"Meine Dokumente" auf dem lokalen Rechner = Risiko.
Alles Geschäftliche gehört ins zentrale System.
Beispiel-Struktur (Mittelstand)
- /01_Kunden/[Kundenname]/Angebote, Verträge, Korrespondenz, Projekte
- /02_Intern/HR, Finanzen, Marketing, Vertrieb
- /03_Vorlagen/Angebote, Verträge, Präsentationen
- /04_Archiv/[Jahr]
Versionierung
Problem ohne Versionierung
- final.docx
- final_v2.docx
- final_v2_korrigiert.docx
- final_FINAL.docx
Lösungsansätze
Manuelle Versionierung:
Versionsnummer im Dateinamen (v1, v2, v3).
Alte Versionen in Archiv-Ordner.
Automatische Versionierung (DMS-Software):
System speichert automatisch alle Versionen.
Änderungshistorie sichtbar.
Rollback möglich.
Cloud-Kollaboration:
Google Docs, Microsoft 365: Automatische Speicherung.
Versionshistorie integriert.
Gleichzeitige Bearbeitung möglich.
Zugriffsrechte
Prinzip: Need-to-know
Jeder sieht nur, was er braucht.
Typische Rechtestufen
- **Lesen:** Dokument ansehen
- **Bearbeiten:** Änderungen vornehmen
- **Freigeben:** Für andere freischalten
- **Löschen:** Entfernen (oft eingeschränkt)
Umsetzung
- Berechtigungsgruppen (z.B. "Vertrieb", "Buchhaltung")
- Ordner-basierte Rechte
- Individuelle Freigaben für Ausnahmen
DMS-Software
Einfache Lösungen (für den Start)
- **Google Drive/Workspace:** Cloud-basiert, kollaborativ
- **Microsoft 365/SharePoint:** Integration mit Office
- **Dropbox Business:** Einfache Ablage, gute Sync
Spezialisierte DMS
- **Docuware:** Mittelstands-fokussiert
- **ELO:** Deutscher Anbieter, umfangreich
- **M-Files:** Metadata-basiert, intelligent
Auswahlkriterien
- Benutzerfreundlichkeit
- Integration mit bestehenden Tools
- Suchfunktion
- Mobile Zugriff
- Sicherheit/Datenschutz
- Preis/Lizenzmodell
Digitale Archivierung
Gesetzliche Anforderungen (Deutschland)
- **Handelsrechtlich:** 6-10 Jahre Aufbewahrung (je nach Dokumenttyp)
- **GoBD:** Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung und Dokumentation
- **Revisionssicherheit:** Dokumente dürfen nachträglich nicht verändert werden
Praktische Umsetzung
- Archiv-Ordner mit Jahresstruktur
- Automatische Archivierung nach Projektabschluss
- Löschkonzept (was wird wann gelöscht?)
- Backup-Strategie
Workflows und Freigaben
Dokumenten-Workflows
Automatisierte Abläufe für wiederkehrende Prozesse.
Beispiel: Rechnungsfreigabe
- Rechnung eingang (Scan/E-Mail)
- Automatische Weiterleitung an Fachabteilung
- Sachliche Prüfung
- Freigabe durch Vorgesetzten
- Weiterleitung an Buchhaltung
- Zahlung
Freigabeprozesse
- Wer muss freigeben?
- In welcher Reihenfolge?
- Was passiert bei Ablehnung?
E-Mail und Dokumente
Problem
Wichtige Dokumente stecken in E-Mail-Postfächern.
Niemand sonst hat Zugriff.
Lösung
- E-Mail-Anhänge in DMS ablegen
- Regel: E-Mail ist Transport, nicht Archiv
- Verknüpfung zwischen DMS und E-Mail-System
Checkliste: Dokumentenmanagement einführen
- [ ] Bestandsaufnahme: Welche Dokumente gibt es wo?
- [ ] Ordnerstruktur definieren
- [ ] Namenskonventionen festlegen
- [ ] Tool auswählen (oder bestehendes optimieren)
- [ ] Zugriffsrechte konzipieren
- [ ] Altdaten migrieren
- [ ] Team schulen
- [ ] Regeln kommunizieren
- [ ] Regelmäßige Aufräum-Termine planen
- [ ] Archivierungskonzept umsetzen
Häufige Fehler
Fehler 1: Zu komplexe Struktur
→ Einfach starten, bei Bedarf erweitern.
Fehler 2: Keine Disziplin
→ Regeln verbindlich machen, Führungskräfte gehen voran.
Fehler 3: Doppelte Ablage
→ Eine Quelle der Wahrheit. Verknüpfungen statt Kopien.
Fehler 4: Nie aufräumen
→ Regelmäßige Archivierung (quartalsweise).
Fazit
Gutes Dokumentenmanagement ist unsichtbar – niemand denkt darüber nach, weil alles funktioniert. Schlechtes Dokumentenmanagement kostet täglich Zeit und Nerven.
Der Aufwand für ein sauberes System zahlt sich schnell aus: Weniger Suchen, keine Versionskonflikte, klare Zuständigkeiten.
Starten Sie mit einer einfachen Struktur und klaren Regeln. Die Perfektion kommt mit der Zeit – Hauptsache, Sie fangen an.
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