Forderungsmanagement: So sichern Sie Ihre Zahlungseingänge systematisch
Offene Forderungen binden Liquidität. Lernen Sie, wie Sie mit systematischem Forderungsmanagement Ihre Zahlungseingänge verbessern.
Das Problem mit offenen Forderungen
Sie haben geliefert, der Kunde hat nicht gezahlt. Das Geld fehlt auf dem Konto, aber in der Bilanz steht ein Vermögenswert. Ein Vermögenswert, der vielleicht nie Geld wird.
Die Zahlen sprechen deutlich:
- 60% der Insolvenzen gehen auf Zahlungsausfälle zurück
- Durchschnittliche Außenstandsdauer in Deutschland: 42 Tage
- Forderungsausfallquote im Mittelstand: 1-3%
Die drei Säulen des Forderungsmanagements
1. Prävention (vor der Leistung)
Probleme verhindern, bevor sie entstehen.
2. Überwachung (während der Laufzeit)
Offene Posten im Blick behalten.
3. Durchsetzung (bei Zahlungsverzug)
Forderungen konsequent einziehen.
Prävention: Risiken minimieren
Bonitätsprüfung
Bevor Sie liefern, prüfen Sie die Zahlungsfähigkeit.
Quellen:
- Creditreform, Bürgel, CRIF
- Handelsregisterauszug
- Letzte Jahresabschlüsse
- Zahlungserfahrungen (eigene und Branche)
Wann prüfen:
- Bei Neukunden immer
- Bei Bestandskunden bei großen Aufträgen
- Regelmäßig bei Dauerkunden (jährlich)
Zahlungsbedingungen
Klare Regeln von Anfang an.
Elemente:
- Zahlungsziel (14, 30, 60 Tage)
- Skonto (2% bei Zahlung innerhalb 10 Tagen)
- Anzahlungen bei Großaufträgen
- Eigentumsvorbehalt
Tipp: Kürzere Zahlungsziele durchsetzen. 14 Tage statt 30 reduziert Ihre Kapitalbindung um die Hälfte.
Anzahlungen und Teilrechnungen
Bei großen Projekten: Nicht alles am Ende fakturieren.
Modell:
- 30% bei Auftragserteilung
- 30% bei Meilenstein
- 40% bei Abschluss
Kreditlimits
Nicht jeder Kunde bekommt unbegrenzten Kredit.
- Neukunden: Vorkasse oder niedriges Limit
- Etablierte Kunden: Limit basierend auf Historie
- Bei Überschreitung: Lieferstopp bis Zahlung
Überwachung: Den Überblick behalten
Offene-Posten-Liste (OP-Liste)
Mindestens wöchentlich pflegen:
- Rechnungsnummer
- Kunde
- Betrag
- Fälligkeitsdatum
- Status
Kennzahlen im Blick
DSO (Days Sales Outstanding)
Durchschnittliche Forderungslaufzeit in Tagen.
Formel: (Forderungen / Umsatz) × 365
Fälligkeitsstruktur
Wie viel ist:
- nicht fällig
- 1-30 Tage überfällig
- 31-60 Tage überfällig
- 61-90 Tage überfällig
- über 90 Tage überfällig
Ausfallquote
Abgeschriebene Forderungen / Gesamtforderungen
Frühwarnsystem
Alarmsignale erkennen:
- Zahlungsverhalten verschlechtert sich
- Kunde reagiert nicht auf Anfragen
- Branchenprobleme
- Negative Presseberichte
Durchsetzung: Das Mahnwesen
Der Mahnprozess
Zahlungserinnerung (1 Tag nach Fälligkeit)
- Freundlicher Ton
- "Vielleicht übersehen?"
- Zahlungsaufforderung mit neuem Datum
1. Mahnung (14 Tage nach Fälligkeit)
- Sachlicher Ton
- Hinweis auf Verzug
- Frist setzen (z.B. 7 Tage)
- Konsequenzen ankündigen
2. Mahnung (21 Tage nach Fälligkeit)
- Ernster Ton
- Letzte Frist
- Konkrete Konsequenz (Inkasso, Lieferstopp)
3. Mahnung / Letzte Mahnung (28 Tage nach Fälligkeit)
- Letztmalige Aufforderung
- Ankündigung rechtlicher Schritte
- Kurze Frist (3-5 Tage)
Telefonisches Mahnen
Oft effektiver als schriftlich:
- Persönlicher Kontakt
- Sofortige Klärung von Einwänden
- Verbindliche Zusagen
Gesprächsleitfaden:
- Sachverhalt darstellen
- Zahlungsbereitschaft erfragen
- Bei Problemen: Ratenzahlung anbieten
- Verbindliche Zusage holen
- Schriftlich bestätigen
Eskalationsstufen
Stufe 1: Lieferstopp
Keine weiteren Lieferungen bis Zahlung.
Stufe 2: Externes Inkasso
Professionelle Inkassounternehmen übernehmen.
Kosten: 10-15% der Forderung
Stufe 3: Mahnbescheid
Gerichtliches Mahnverfahren.
Schnell und günstig (30-50€).
Stufe 4: Klage
Wenn Mahnbescheid widersprochen wird.
Teurer und langwierig.
Stufe 5: Insolvenzantrag
Wenn Schuldner zahlungsunfähig.
Letzte Option, meist geringer Ertrag.
Inkasso für KMU: Wann es nötig ist und wie Sie es vermeiden
Inkasso für KMU ist der letzte Ausweg – und sollte es auch bleiben. Der Einsatz eines Inkassounternehmens kostet Geld, belastet die Kundenbeziehung und bindet Zeit.
Wann Inkasso für KMU sinnvoll ist:
- Offene Forderungen über 60 Tage trotz mehrfacher Mahnung
- Kunde reagiert nicht auf telefonische und schriftliche Kontaktversuche
- Betrag rechtfertigt den Aufwand (Faustregel: ab 500€)
- Eigene Ressourcen für das Mahnwesen sind erschöpft
So vermeiden Sie Inkasso als KMU:
- Konsequentes Mahnwesen ab Tag 1 nach Fälligkeit
- Telefonisches Nachfassen (persönlicher Kontakt wirkt)
- Flexible Ratenzahlungen anbieten, bevor die Situation eskaliert
- [Bonitätsprüfung vor Auftragsannahme](#prävention-risiken-minimieren)
- Saubere [Liquiditätsplanung](/blog/liquiditaetsplanung-wachsende-unternehmen), damit Sie nicht selbst unter Druck geraten
Inkasso-Kosten für KMU:
Inkassounternehmen berechnen meist 10-15% der Forderungssumme. Dazu kommen ggf. Anwalts- und Gerichtskosten. Je früher Sie handeln, desto günstiger wird es – sowohl finanziell als auch für die Kundenbeziehung.
Sonderfälle
Kunde bestreitet Forderung
- Einwand prüfen
- Dokumentation vorlegen
- Ggf. Teilzahlung akzeptieren
- Bei Unklarheit: rechtliche Prüfung
Kunde in Zahlungsschwierigkeiten
- Ratenzahlung vereinbaren
- Sicherheiten verlangen
- Schriftliche Vereinbarung
- Engmaschig überwachen
Kunde ist insolvent
- Forderung zur Insolvenztabelle anmelden
- Frist beachten (meist 2 Wochen)
- Quoten meist unter 10%
Tools für Forderungsmanagement
Minimum:
- Buchhaltungssoftware mit OP-Verwaltung
- Mahnvorlagen
- Excel-Tracking
Besser:
- Automatische Zahlungserinnerungen
- Automatische Mahnläufe
- Fälligkeitsübersichten
Ideal:
- Bonitätsprüfung integriert
- Automatische Kreditlimits
- Dashboard mit Kennzahlen
- Workflow für Eskalation
Checkliste: Forderungsmanagement optimieren
- [ ] Bonitätsprüfung für Neukunden einführen
- [ ] Zahlungsbedingungen überprüfen (kürzer?)
- [ ] Kreditlimits definieren
- [ ] OP-Liste wöchentlich pflegen
- [ ] DSO berechnen und tracken
- [ ] Mahnvorlagen erstellen (Erinnerung, 1., 2., 3. Mahnung)
- [ ] Mahnprozess mit Fristen definieren
- [ ] Telefonisches Mahnen einführen
- [ ] Inkasso-Partner auswählen
- [ ] Monatliches Reporting etablieren
Fazit
Gutes Forderungsmanagement beginnt vor dem Verkauf und endet nie. Jeder Tag, den eine Rechnung früher bezahlt wird, ist gewonnene Liquidität.
Der Schlüssel: Konsequenz. Nicht jede Mahnung eskaliert zum Inkasso – aber der Kunde muss wissen, dass Sie es ernst meinen.
Investieren Sie in Prävention. Jeder Euro, der nicht in Verzug gerät, ist besser als ein Euro, den Sie mühsam eintreiben müssen.
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