Customer Journey Mapping: Die Kundenreise verstehen und optimieren
Customer Journey Mapping macht Kundenerlebnisse sichtbar. Lernen Sie, wie Sie Touchpoints identifizieren und Engpässe beseitigen.
Was ist Customer Journey Mapping?
Eine Customer Journey Map ist die visuelle Darstellung aller Berührungspunkte (Touchpoints) zwischen Kunde und Unternehmen – von der ersten Wahrnehmung bis nach dem Kauf.
Es geht nicht darum, was Sie glauben, wie Kunden agieren. Es geht darum, wie Kunden tatsächlich Ihr Unternehmen erleben.
Warum Customer Journey Mapping?
1. Kundenzentrierung statt Abteilungsdenken
Marketing sieht den Lead. Vertrieb sieht den Deal. Support sieht das Ticket. Niemand sieht den Kunden.
2. Engpässe identifizieren
Wo brechen Kunden ab? Wo entstehen Frustrationen? Wo verlieren Sie Umsatz?
3. Investitionen priorisieren
Nicht jeder Touchpoint ist gleich wichtig. Die Map zeigt, wo Verbesserungen den größten Impact haben.
Die Elemente einer Journey Map
Phasen
Typische Phasen einer B2B-Kundenreise:
- **Awareness** – Problem erkannt, Lösungssuche beginnt
- **Consideration** – Optionen vergleichen, recherchieren
- **Decision** – Anbieter auswählen, kaufen
- **Onboarding** – Starten, erste Nutzung
- **Usage** – Regelmäßige Nutzung
- **Loyalty/Advocacy** – Wiederkauf, Empfehlung
Touchpoints
Konkrete Berührungspunkte in jeder Phase:
- Website-Besuch
- Google-Suche
- Erstgespräch
- Angebot
- Vertrag
- Onboarding-Call
- Support-Ticket
- Rechnung
Kundenaktionen
Was tut der Kunde an jedem Touchpoint?
- Sucht nach "CRM Software"
- Liest Vergleichsartikel
- Füllt Kontaktformular aus
- Nimmt an Demo teil
Gedanken & Gefühle
Was denkt und fühlt der Kunde?
- "Ich brauche endlich Ordnung in meinen Leads"
- "Welcher Anbieter passt zu uns?"
- "Der Vertrieb war hilfreich, aber der Preis..."
- "Das Onboarding ist komplizierter als gedacht"
Pain Points
Wo entstehen Frustrationen?
- Preise nicht auf der Website
- Zu lange Wartezeit auf Rückruf
- Onboarding-Materialien veraltet
- Support-Antwort dauert 3 Tage
Opportunities
Wo können Sie verbessern?
- Preistransparenz erhöhen
- Same-Day-Callback einführen
- Onboarding automatisieren
- Support-SLA verkürzen
Customer Journey Map erstellen: Schritt für Schritt
Schritt 1: Persona definieren
Für wen erstellen Sie die Map? Eine Map pro Zielgruppe/Persona.
Beispiel:
- Name: Thomas, 42
- Rolle: Geschäftsführer, 25 Mitarbeiter
- Ziel: Prozesse professionalisieren
- Pain: Chaos, manuelle Arbeit
Schritt 2: Phasen festlegen
Welche Phasen durchläuft Ihre Zielgruppe? B2B ist meist länger als B2C.
Schritt 3: Touchpoints sammeln
Brainstorming mit allen kundennahen Teams:
- Marketing: Wo kommen Leads her?
- Vertrieb: Welche Schritte bis zum Abschluss?
- Support: Welche Anfragen kommen wann?
- Operations: Wie läuft das Onboarding?
Schritt 4: Kundenperspektive einnehmen
Jetzt wird es ernst: Sprechen Sie mit echten Kunden.
- Was war Ihr erster Kontakt mit uns?
- Warum haben Sie sich für uns entschieden?
- Was war frustrierend?
- Was hätten Sie sich anders gewünscht?
Schritt 5: Map visualisieren
Erstellen Sie die Map – physisch (Whiteboard, Post-its) oder digital (Miro, Figma, Lucidchart).
Format:
- X-Achse: Phasen
- Y-Achse: Touchpoints, Aktionen, Gefühle, Pain Points
Schritt 6: Pain Points priorisieren
Welche Pain Points haben den größten negativen Impact?
- Wie viele Kunden betrifft es?
- Wie stark ist die Frustration?
- In welcher Phase (früh = kritischer)?
Schritt 7: Maßnahmen ableiten
Für jeden priorisierten Pain Point:
- Was ist die Ursache?
- Was ist die Lösung?
- Wer ist verantwortlich?
- Bis wann?
Beispiel: B2B-SaaS Customer Journey
| Phase | Touchpoint | Aktion | Gefühl | Pain Point |
|-------|------------|--------|--------|------------|
| Awareness | Google-Suche | Sucht "CRM Vergleich" | Überfordert | Zu viele Optionen |
| Consideration | Website | Liest Features | Interessiert | Preise unklar |
| Consideration | Demo-Formular | Füllt aus | Hoffnungsvoll | Zu viele Felder |
| Decision | Sales-Call | Bespricht Anforderungen | Unsicher | Kein klarer nächster Schritt |
| Onboarding | Willkommens-E-Mail | Liest, klickt | Motiviert | Zu viel auf einmal |
| Usage | Support-Ticket | Fragt nach Feature | Frustriert | Antwort dauert 3 Tage |
Häufige Fehler beim Journey Mapping
Fehler 1: Annahmen statt Daten
Die Map basiert auf dem, was das Team glaubt – nicht auf dem, was Kunden sagen.
Lösung: Kundenbefragungen, Interviews, Support-Auswertung
Fehler 2: Zu grobe Auflösung
"Phase: Vertrieb" ist keine hilfreiche Ebene.
Lösung: Konkrete Touchpoints, konkrete Aktionen
Fehler 3: Einmalige Übung
Map erstellt, an die Wand gehängt, vergessen.
Lösung: Regelmäßiges Review (quartalsweise)
Fehler 4: Keine Verantwortung
Pain Points identifiziert, aber niemand kümmert sich.
Lösung: Ownership für jeden Touchpoint definieren
Customer Journey Mapping Tools
Kostenlos:
- Miro (kostenlose Version)
- Google Sheets/Docs
- Whiteboard + Post-its
Spezialisiert:
- Smaply
- UXPressia
- Custellence
All-in-One:
- Miro (Pro)
- Figma
- Lucidchart
Checkliste: Customer Journey Map erstellen
- [ ] Ziel-Persona definieren
- [ ] Phasen der Journey festlegen
- [ ] Touchpoints pro Phase sammeln (alle Teams einbeziehen)
- [ ] 5-10 Kundeninterviews führen
- [ ] Map visualisieren
- [ ] Pain Points markieren und priorisieren
- [ ] Opportunities identifizieren
- [ ] Maßnahmen mit Owner und Deadline definieren
- [ ] Quartalsweisen Review planen
Fazit
Customer Journey Mapping ist keine Marketing-Spielerei – es ist ein strategisches Werkzeug, um Kundenzentrierung praktisch umzusetzen.
Der Aufwand für eine gute Map: 2-3 Wochen. Der Nutzen: Klarheit über jeden Kundenkontakt, priorisierte Verbesserungen, bessere Kundenbindung.
Starten Sie mit Ihrer wichtigsten Persona. Sprechen Sie mit echten Kunden. Visualisieren Sie die Realität, nicht die Wunschvorstellung.
Sie erkennen sich wieder?
Der Skalierungs-Engpass-Report identifiziert die 5 größten Wachstumsbremsen in Ihrem Unternehmen – mit konkretem Umsetzungsplan.
Report anfordern