Business Continuity: So sichern Sie Ihre Geschäftskontinuität
Was passiert, wenn Ihr Server ausfällt, ein Schlüsselmitarbeiter krank wird oder ein Lieferant nicht liefert? Lernen Sie, wie Sie sich vorbereiten.
Was ist Business Continuity?
Business Continuity Management (BCM) stellt sicher, dass Ihr Unternehmen auch bei Störungen handlungsfähig bleibt.
Störungen können sein:
- IT-Ausfälle (Server, Software, Cyberangriff)
- Personalausfall (Krankheit, Kündigung)
- Lieferkettenprobleme
- Naturereignisse (Hochwasser, Sturm)
- Gebäudeschäden (Brand, Wasserschaden)
- Pandemie, Quarantäne
Die Frage ist nicht, ob etwas passiert – sondern wann.
Warum BCM für den Mittelstand?
Die Statistik:
- 40% der Unternehmen erholen sich nach einer größeren Störung nicht mehr
- 25% der KMU haben keinen Notfallplan
- Die durchschnittlichen Kosten eines IT-Ausfalls: 5.000€/Stunde
BCM ist keine Bürokratie
Es geht nicht um dicke Handbücher. Es geht um:
- Kritische Prozesse identifizieren
- Risiken kennen
- Maßnahmen vorbereiten
- Im Notfall handlungsfähig sein
Die BCM-Schritte
Schritt 1: Kritische Prozesse identifizieren
Was muss laufen, damit Ihr Unternehmen funktioniert?
Fragen:
- Welche Prozesse generieren Umsatz?
- Welche Prozesse sind kundenkritisch?
- Was darf maximal wie lange ausfallen?
Beispiele kritischer Prozesse:
- Auftragsbearbeitung
- Produktion/Leistungserbringung
- Kundenservice
- Zahlungsverkehr
- IT-Infrastruktur
Schritt 2: Business Impact Analyse (BIA)
Was passiert, wenn ein Prozess ausfällt?
Für jeden kritischen Prozess:
- Auswirkung nach 1 Stunde?
- Auswirkung nach 1 Tag?
- Auswirkung nach 1 Woche?
- Maximale tolerierbare Ausfallzeit (MTPD)?
Schritt 3: Risiken identifizieren
Welche Szenarien können Ihre kritischen Prozesse stören?
Kategorien:
- **IT:** Serverausfall, Datenverlust, Cyberangriff
- **Personal:** Schlüsselperson krank, Kündigung
- **Lieferkette:** Lieferant fällt aus, Materialengpass
- **Infrastruktur:** Stromausfall, Gebäudeschaden
- **Extern:** Naturkatastrophe, Pandemie, Marktkrise
Schritt 4: Präventive Maßnahmen
Was können Sie tun, um Ausfälle zu verhindern?
IT:
- Redundante Systeme
- Regelmäßige Backups
- Firewall, Virenschutz
- Updates einspielen
Personal:
- Wissenstransfer
- Vertretungsregelungen
- Cross-Training
- Dokumentation
Lieferkette:
- Dual Sourcing
- Sicherheitsbestände
- Lieferantenmonitoring
Infrastruktur:
- USV (Unterbrechungsfreie Stromversorgung)
- Versicherungen
- Brandschutz
Schritt 5: Notfallpläne erstellen
Was tun, wenn es doch passiert?
Inhalte eines Notfallplans:
- Auslöser (wann gilt der Notfall?)
- Sofortmaßnahmen (erste 60 Minuten)
- Verantwortlichkeiten
- Kommunikationskette
- Eskalationsstufen
- Wiederherstellungsschritte
- Kontaktlisten
Schritt 6: Testen und Üben
Ein Plan, der nie getestet wurde, funktioniert im Ernstfall nicht.
Testarten:
- Walkthrough (Plan durchsprechen)
- Simulation (Szenario durchspielen)
- Volltest (echte Übung)
Empfehlung: Jährliche Übung für die wichtigsten Szenarien.
Schritt 7: Aktualisieren
Pläne veralten. Kontakte ändern sich. Systeme werden ersetzt.
Review-Zyklus: Mindestens jährlich, bei größeren Änderungen sofort.
Beispiel: IT-Notfallplan (Serverausfall)
Auslöser:
Kritische Server nicht erreichbar seit > 15 Minuten.
Sofortmaßnahmen (0-60 Min):
- IT-Verantwortlichen informieren
- Ursache prüfen (Neustart, Verbindung, Hardware)
- Bei Hardware-Problem: Hoster kontaktieren
- Team informieren (Teams/Slack)
Verantwortlich:
- IT: Max Müller (Tel: +49...)
- Stellvertreter: Anna Schmidt
Eskalation (>2 Stunden):
- Geschäftsführung informieren
- Kunden bei Auswirkung proaktiv informieren
- Notbetrieb aktivieren (lokale Kopien, alternative Systeme)
Wiederherstellung:
- System reparieren oder ersetzen
- Backup einspielen
- Funktionstest
- Normalbetrieb
Nachbereitung:
- Incident dokumentieren
- Ursache analysieren
- Maßnahmen zur Vermeidung
Versicherungen
BCM ist auch eine Frage der richtigen Absicherung.
Relevante Versicherungen:
- Betriebsunterbrechungsversicherung
- Cyber-Versicherung
- Elektronik-Versicherung
- Inhaltsversicherung
Wichtig: Versicherungsbedingungen kennen. Was ist abgedeckt, was nicht?
BCM-Kennzahlen
Recovery Time Objective (RTO)
Wie schnell muss ein System wiederhergestellt sein?
Recovery Point Objective (RPO)
Wie viel Datenverlust ist akzeptabel? (z.B. max. 24h)
Maximum Tolerable Period of Disruption (MTPD)
Wie lange kann das Unternehmen den Ausfall überstehen?
Checkliste: BCM starten
- [ ] Kritische Prozesse identifizieren
- [ ] Business Impact für jeden Prozess bewerten
- [ ] Top-5-Risiken identifizieren
- [ ] Präventive Maßnahmen prüfen (Backup, Redundanz)
- [ ] Notfallplan für Top-3-Szenarien erstellen
- [ ] Kontaktlisten aktuell halten
- [ ] Team über Notfallpläne informieren
- [ ] Jährliche Übung planen
- [ ] Versicherungsschutz prüfen
- [ ] Dokumentation ablegen (auch offline!)
Häufige Fehler
Fehler 1: "Das passiert uns nicht"
→ Statistik sagt anderes. Vorbereitung ist günstiger als Nachsorge.
Fehler 2: Plan existiert, aber niemand kennt ihn
→ Kommunizieren, üben, erinnern.
Fehler 3: Keine Offline-Kopie
→ Wenn der Server weg ist, ist auch der Plan darauf weg.
Fehler 4: Nie getestet
→ Im Notfall ist keine Zeit zum Lesen.
Fazit
Business Continuity ist keine Paranoia – es ist Professionalität. Unternehmen, die vorbereitet sind, überstehen Krisen besser und schneller.
Starten Sie klein: Die drei kritischsten Prozesse, die drei wahrscheinlichsten Risiken, die drei wichtigsten Notfallpläne.
Die Investition ist gering, der Schutz im Ernstfall unbezahlbar.
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